Das Phänomen Kaltluftseen – Wo das Eis zuerst wächst

Für Eisbader und Winterschwimmer sind sie im Spätherbst die absoluten Hotspots: Kaltluftseen (meteorologisch auch als Kältebecken oder Dolinen bezeichnet). An diesen ganz besonderen Orten sinken die Temperaturen in klaren Winternächten tiefer als irgendwo sonst in der Schweiz. Das Resultat sind spiegelglatte, extrem stabile Eisschichten und Wassertemperaturen nahe dem Gefreirpunkt, lange bevor der Winter im Schweizer Flachland Einzug hält.

Wie entsteht ein Kaltluftsee? Die Physik dahinter

Das Geheimnis hinter diesen Orten liegt in der Topografie. Wenn in einer klaren, windstillen Nacht die Erdoberfläche auskühlt, kühlt auch die Luft direkt über dem Boden rasant ab. Da kalte Luft eine höhere Dichte besitzt und somit schwerer ist als warme Luft, verhält sie sich wie Wasser: Sie fliesst hangabwärts und sammelt sich am tiefsten Punkt. 
Befindet sich am Talboden ein abflussloses Becken, eine Mulde oder eine Doline, ist die eiskalte Luft gefangen. Da sie nicht entweichen kann, bildet sich ein unsichtbarer „See“ aus stehender, eisiger Luft. Über diesem Becken liegt oft eine wärmere Luftschicht – Meteorologen sprechen hier von einer Inversionswetterlage (Temperaturumkehr).
 
Warum das für Eisbader so spannend ist:
Durch die extreme, langanhaltende Oberflächenabkühlung in diesen Kältebecken verlieren die dortigen Gewässer in Rekordzeit an Temperatur. Hier bildet sich das kompakte, glasklare und hochgradig tragfähige Schwarzeis oft Wochen früher als an anderen Standorten. 
 
Sicherheitsregeln für das Kältetraining in Kältebecken
So faszinierend Kaltluftseen für die Kälteexposition sind, so unbarmherzig sind die Bedingungen vor Ort. Die Lufttemperaturen in diesen Senken können extrem tief fallen, was die anschliessende Regeneration massiv beeinflusst.
  • Vorsicht beim Nachwärmen: Da die Luft in der Senke oft drastisch kälter ist als auf den umliegenden Hügeln, droht nach dem Ausstieg ein massiver Afterdrop. Packe trotz schneller Wechselkleidung immer eine winddichte Haube und eine dicke Daunenjacke ein.
  • Atemwege schützen: Das Einatmen extrem kalter Luft direkt nach der körperlichen Belastung des Kältebads fordert die Bronchien. Atme nach dem Ausstieg bewusst durch die Nase ein.
  • Niemals ungesichert: Aufgrund der extremen Mikroklimata und der oft abgeschiedenen Lage dieser Senken gilt auch hier das oberste Gebot des KÄLTENETZWERKS: Bade niemals allein!

„Du möchtest wissen, wie sich die Eisdecke auf unseren Seen physikalisch verhält? Alle Details findest du in unserer grossen Eiskunde. Die wichtigsten Verhaltensregeln für den Winter haben wir zudem in den Kaltbaden Tipps & Regeln für dich zusammengefasst.


weitere Informationen zu Kaltluftseen:

"Die tiefsten Minimaltemperaturen in der Schweiz treten nicht auf den höchsten Gipfeln der Alpen, sondern in Kaltluftseen  auf. (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Ahlheim, Grill, Schirmer, Buschner & Werner, 1988) definiert den Begriff Kaltluftsee als

„Ansammlung lokal gebildeter Kaltluft in abgeschlossenen  konkaven Geländeformen oder an Hindernissen infolge Kaltluftstaus.“

Kaltluftseen üben eine ganz eigene Faszination aus. Sie entkoppeln sich von ihrer Umgebung, und man taucht unter idealen Bedingungen temperaturmässig innerhalb kürzester Distanzen in eine komplett andere Welt ein.

Das Interesse an Kaltluftseen ist mehr als 100 Jahre alt. Ein Pionier der Erforschung von Kaltluftseen in der Schweiz war der promovierte Botaniker und Naturwissenschafter Samuel Aubert."           

                                                                                                          aus kaltluftseen.ch

"Hier findest Du Informationen zum Thema „Kaltluftseen in der Schweiz“. Die Seite hat folgende Schwerpunkte:

  • Grundlagen und Voraussetzungen für die Bildung von Kaltluftseen werden diskutiert.
  • Bekannte (Muotathal) und weniger bekannte Kaltluftseen werden vorgestellt.
  • In einigen Kaltluftseen (z.B. Sämtisersee oder Hintergräppelen) werden eigene Messungen durchgeführt oder sind solche geplant. Resultate und Auswertungen dieser Messungen werden nach und nach auf dieser Seite publiziert."

Das Studium dieser Webseite lohnt sich für alle Eisbadende.